Willkommen auf dem Blog zum 1:1- computing- Projekt in Guttannen


Seit Sommer 2010 erprobt eine 5./6. Klasse im kleinen Berner Oberländer Bergdorf Guttannen 1:1- computing im Unterricht, es werden hierfür Netbooks und Tablets eingesetzt. Wegen einer Klassenzusammenlegung findet das Projekt seit Sommer 2012 in der Gesamtschule (1.-6. Klasse) statt. In Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Bern werden Erfahrungen gesammelt, wie sich die kleinen Computer und Tablets im Unterricht und als Hilfsmittel bei der Bearbeitung der Hausaufgaben einsetzen lassen.

Auf diesem Blog werden regelmässig aktuelle Informationen zu Unterrichtsszenarien sowie technischen Inhalten festgehalten. Weitere Detailinformationen zum Projekt finden sich bei den ältesten Posts vom Sommer 2010.

Montag, 1. November 2010

Wozu sich Netbooks nicht eignen...

Heureka, wir haben jede Menge Net- und Notebooks im Klassenzimmer im Einsatz!  Der Praxiseinsatz der Geräte zeigt Möglichkeiten und natürlich auch Grenzen der Mini-Pc's recht augenfällig. So hatte ich als Lehrer anfangs die Vision, durch den Einsatz der mobilen Helferlein lassen sich automatisch jede Menge Kopien einsparen und neben dem ökologischen Vorteil davon, seien auch die Zeiten vor dem Kopierapparat bald Vergangenheit. Nun ja, theoretisch wunderbar, doch was sich auf meinem iPad herrlich bewährt, kann nicht auf Netbooks übertragen werden. Will man nicht, dass SchülerInnen sich eines Tages wegen eines Tennis - Arms vom Scrollen beim Arzt melden müssen, sollte man wohl darauf verzichten, ihnen zu oft Dokumente als pdf's zukommen zu lassen. Für Dokumente im A4- Format ist der Bildschirm eines Netbooks doch definitiv eine Nummer zu klein.

Der nicht gerade gigantische Speicher der Netbooks lässt SchülerInnen immer mal wieder über gewisse Streifen auf bewegten Bildern oder Stocken bei der Audio-Wiedergabe beklagen. Diese gelegentlich vorkommenden kleinen Störungen haben laut Fachmann ihren Ursprung wirklich bei den Geräten selber und nicht etwa bei einer nicht ausreichenden Bandbreite oder Überlastung der WLAN - Verbindung.

Den Kindern ist schon auf dem Schulweg unschwer anzusehen, wer sein eigenes Notebook von zu Hause mitbringt (oftmals sind diese Kinder schwer behangen mit Computertasche auf der einen und Schultasche auf der andern Seite) und wer sein Netbook diskret zwischen dem Franz- und dem Mathebuch in der Schultasche in die Schule transportieren kann, doch da wären wir ja bereits wieder bei einem Vorteil des kleinen Rechners...

Technik doch im Griff?

Nach Wochen des Hoffens und Bangens, ob sich wohl vor einer mit ICT geplanten Lektion die Technik jeweils dazu bequemt, mitzuspielen, scheinen diese Schwierigkeiten überwunden zu sein. Da ich längst schon den erneuten Einsatz eines Netzwerktechnikers in Betracht zog und gerade die Rechnung seines letzten Einsatzes beglichen hatte, konstatierte ich, dass für den Stundenansatz eines Fachmannes gut und gerne mehrere Access- Points  erstanden werden können. Ich kaufte also einen brandneuen, noch leistungsstärkeren Access - Point und schaffte sogar dessen Installation. Seit sage und schreibe rund zwei Wochen haben wir nun uneingeschränkten Internet - Access. Schrieb ich uneingeschränkt? Nun ja, bei Firefox ist da leider noch das leidige Kapitel der "Zeitüberschreitung", die auf zahlreichen Bildschirmen verschiedener SchülerInnen regelmässig für Arbeitsunterbrüche und Ärger sorgt, doch diesem Problem scheint man mittels entsprechender, auf verschiedenen Internetforen beschrieben Gegenmassnahmen (timeout-Werte ändern...),beizukommen.


Regeln zur Nutzung des Netbooks missachtet

Bereits zum dritten Mal musste ich das Netbook eines Kindes für eine Woche aus dem Verkehr ziehen, da die Regeln der Nutzung nicht eingehalten wurden. Diesmal war das Versenden einer e-mail während des Unterrichts die Ursache. Vom iPhone- Projekt in Arth Goldau weiss ich um die grosse Disziplin jener SchülerInnen, die meine volle Bewunderung verdient. In jenem Pilotprojekt werden jedoch alle (Internet-?) Aktivitäten der 6. KlässlerInnen von der Swisscom genaustens protokolliert und die Kinder wissen um das "gläserne iPhone", welches sie nutzen. Bestimmt ist daher die Hemmschwelle für Übertretungen der Regeln viel höher.

Ich möchte darauf verzichten, den Polizisten mimen zu müssen und täglich Verlaufsdateien zu Hauf zu kontrollieren und denke, dass die Kinder mit der Versuchung umgehen lernen müssen. Die Konsequenzen wurden bisher ohne Probleme akzeptiert. Ich möchte jedoch erreichen, dass die Eigenverantwortung der SchülerInnen noch grösser wird und dies ist bestimmt ein hoher Anspruch! Zu gross ist die Versuchung, neben der Geografie - Lernplattform noch schnell eine Youtube - Seite zu öffnen oder einen Chat zu starten. Wie heisst es bei einer Zeitungswerbung so schön: wir bleiben dran!

Die konsequente Umsetzung des Netbook - "Entzuges" hat für mich als Lehrkraft übrigens den unangenehmen Nebeneffekt, einem Kind während einer Woche für sämtliche ICT - basierten Aktivitäten eine sinnvolle Alternativarbeit zu organisieren, was zeitweise gar nicht so einfach ist. Für Tipps und Ratschläge, wie diese Problem gelöst werden kann, bin ich dankbar, besonders von Lehrkräften, die ähnliche Projekte durchführten (scheinen nicht Hunderte zu sein in der Schweiz...).

Wöchentliche Einsatzdauer der Netbooks im Unterricht

Wer sich vorstellt, die SchülerInnen der Guttanner 5./6. Klasse würden das Schulhaus täglich mit viereckigem Blick verlassen, da sie stundenlang vor dem Computer sitzen, macht sich eine falsche Vorstellung von diesem Projekt. Bis jetzt habe ich die Nutzungsdauer noch nicht dokumentiert, was ich wohl dringend tun sollte. Meine Schätzung beläuft sich auf einen Einsatz der Geräte während rund 10 - 15% der Unterrichtszeit, was einigen wenigen Lektionen pro Woche entspricht. Und sowas nennt sich Netbook - Projekt? Nun ja, es geht meines Erachtes nicht darum, das Medium auf Biegen und Brechen so oft wie möglich einzusetzen, sondern herauszufinden, wo es wirklich eine effiziente und sinnvolle Hilfe ist. Bewegung und Kreativität (klar, auch auf einem Computer lässt es sich kreativ arbeiten,) Handfertigkeit etc. sollen meines Erachtens niemals auf Kosten vermehrten Computereinsatzes vernachlässigt werden. Mit diesem Projekt möchte ich selber entdecken können, wo das Netbook neue Möglichkeiten und Chancen bietet, jedoch klar auch seine Grenzen kennen lernen.  Schwerpunktmässig findet der Einsatz bisher in den Fächern Deutsch, NMM und Französisch statt. Heute wurde jedoch auch eine wirklich brilliante Seite der Wiener Philharmoniker im Musikunterricht erfolgreich eingesetzt, das Ganze ist bestimmt ausbaufähig aber muss nicht zwingend mehr und mehr erweitert werden. Nicht zu vernachlässigen ist zeitmässig der Einsatz zu Hause, wo jede Woche Hausaufgaben zu bearbeiten sind, die den Einsatz des Net- oder Notebooks bedingen. Jene Arbeitszeit schätze ich auf rund eine Stunde pro Woche.


Experiment nach Sugata Mitra

video

Weiter unten auf diesem Blog ist ein Film von Prof. Sugata Mitra zu sehen, in welchem er über seine verschiedenen eindrücklichen Experimente berichtet. Ich habe mir erlaubt, eines davon zu adaptieren und mit meiner ICT-Wahlfachklasse auszuprobieren.

Ausgangslage: Den Kindern wurden zwei Fragen in kroatischer Sprache an die Wandtafel geschrieben und es galt, sie in möglichst kurzer Zeit mit Hilfe des Internets zu beantworten. Spannend, wie unterschiedlich die SchülerInnen die Aufgabe anpackten. Mit viel Elan waren sie alle dabei, bei den einen machte sich jedoch bald schon Frust und laustark artikulierter Stress bemerkbar, als das Ergebnis nicht einfach so schnell schnell gefunden werden konnte. Das grösste Problem schien erstaunlicherweise nicht die Informationstechnologie zu stellen, sondern die Rechtschreibung. Der Google Translater verlangt absolute Perfektion bei der Eingabe von Vokabeln und schon ein einziger falscher Buchstabe ergibt Übersetzungen, die zwar die Lachmuskeln anregen, bestimmt aber nicht zu des Rätsels Lösung führen. So war ich doch einigermassen erstaunt, wie lange die Kinder für die Beantwortung der beiden Fragen (dem Geburtsdatum von Noch - Bundesrat Leuenberger und dem Namen der Hauptstadt Somalias) benötigten.

Da ich die Kinder zeitweise mit der Kamera begleitete und auch mit einiger Krisenintervention ( nicht technischer Art...) beschäftigt war, vergass ich leider, die Zeit zu stoppen. Ich denke, das der Prozess sich wohl über rund 20 Minuten hin zog, bis die ersten richtigen Resultate eintrafen. Ich liess die Kinder einzeln arbeiten, was ich wohl in Zukunft nicht mehr tun würde. Zu sehr besteht meiner Ansicht nach bei der Arbeit mit Computern die Gefahr hin zur allzu starken (im Trend stehenden!) Individualisierung auf Kosten der doch immer wieder sehr fruchtbaren Teamarbeit. Das obenstehende Video gibt einige Eindrücke von der Arbeit der Kinder.

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